▌ Gruel's StorytimeA continuing story, one chapter at a time.
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Kapitel 136 — Nicht wässern

„Drei Fragen”, sagte Jeck. „Was drin ist. Wer am Montag abholt. Wohin. Mehr brauch ich für fünfundzwanzigtausend EC nicht.”

Er saß auf der Kante von Kreys Tisch und hatte sich die drei Fragen mit Kugelschreiber auf den Handrücken geschrieben. Das rote Auge hielt er halb zu. Samstag, kurz nach neun. Draußen lag Nebel über dem Hafenbecken, im Speicher brannte nur die Lampe über den Gestellen.

Dobs lag schon auf der Matte. Der Stecker saß hinter dem rechten Ohr. Links stand der Ton, leise, seit Donnerstag gleich leise, und darüber, wo keiner hinsehen konnte, hing das Blei.

Krey stand am zweiten Gestell, die Kontakte am Haken, und hielt eine Taschenuhr mit gesprungenem Glas in der Hand.

„Neun Minuten”, sagte er. „Bei neun zieh ich. Auch mitten im Wort. Du sagst alles laut, ich schreib mit. Raus trägst du nichts.”

„Weiß ich.”

„Dann sag’s trotzdem.”

„Ich trag nichts raus.”

Krey drückte auf die Krone der Uhr. Dobs ging hinein.


Den Weg kannte er. Hinter dem Hafen, über einen abgemeldeten Anschluss, eine Seitentür in den Fuhrpark-Host von Mitsuhama Heerdt. An der Tür hing noch seine eigene Uhrzeit vom letzten Mal, eine kleine Blechmarke ohne Namen. Externer Lesezugriff, ohne Anschluss. Der Host hatte sie aufgehoben und nichts damit gemacht.

Der Kleine kam aus seinem Ärmel und setzte sich ihm auf die Schulter, eng an den Hals.

„Augen auf”, sagte Dobs. „Ich brauch deine.”

Der Hof lag unter einem Himmel aus Natriumlicht, gelb und ohne Schatten. Am Pförtnerhaus hing das Schlüsselbrett, die ganze Wand, Hunderte Haken. An jedem Haken ein Vorgang mit Anhänger: Poolwagen, Fahrer, Tankkarten, Schäden. Weiter hinten Joosts Haken. Der Schlüssel daran war grau angelaufen. Ruht.

„Eine Minute”, sagte Krey, weit weg und sehr deutlich.

Zu den Hallen kam man nur durch die Waschstraße.

Im Host war sie ein Gang aus Bürsten, rot und blau, die sich um sich selbst drehten und nass glänzten. Was auf den Hof kam, ging hier durch. Kennzeichen, Absender, Halter, alles. Hinten kam es heraus und gehörte Mitsuhama. Dobs hatte das beim letzten Mal von außen gesehen und für Deko gehalten.

„Drei Fragen”, sagte er zu sich selbst und ging hinein.

Die erste Bürste nahm ihm die Uhrzeit von der Jacke. Die zweite strich über den Kleinen, der sich flach machte und sie durchließ. Die dritte fasste die Schnur.

Er spürte es zuerst am Ohr. Die Bürste drehte, die Schnur wickelte sich auf, und das Blei schlug ihm gegen den Hals. Der Ton ging hoch, eine Stufe, noch eine, bis er Krey nicht mehr hörte und nicht die Bürsten und nichts außer dem Pfeifen hinter seinem linken Ohr. Sein Kopf wurde zur Seite gezogen. Draußen, irgendwo, schlug seine Schulter gegen etwas Hartes.

Wenn die Bürste die Schnur ganz aufwickelte, kam hinten etwas heraus und gehörte Mitsuhama. Eine Marke von Saeder-Krupp Bau, sauber gewaschen, an einem Jungen aus Neuss.

Er ging einen Schritt zurück. Gegen die Drehung. Die Schnur wickelte sich eine Windung ab. Noch einen. Er fasste sie mit der linken Hand unter dem Blei, zog sie straff an die Brust und duckte sich unter der Bürste weg, so tief, dass die Borsten ihm über den Rücken strichen und nicht über die Schnur. Seine rechte Hand spürte er nicht. Die drei Finger nie, jetzt die ganze.

„Drei Minuten”, sagte Krey. „Dobs. Dein Kopf.”

„Geht schon.”

Am Ende der Waschstraße stand der Trockner. Ein Bogen aus heißer Luft, und in der Luft war etwas, das las. Es las ihn an, und dann sah es zurück.

Dobs blieb stehen. Er hatte nichts, was der Host kannte, nur die Blechmarke, die die Bürsten ihm gerade abgenommen hatten. Er griff in die Luft nach hinten, wo sie hing, nass, am Haken der ersten Bürste, und hielt sie dem Trockner hin. Seine eigene Uhrzeit. Externer Lesezugriff, ohne Anschluss. Schon einmal hier gewesen, schon einmal nichts gemacht.

Der Trockner las sie. Dann wehte er weiter, über ihn hinweg, warm, und ließ ihn durch.


Halle drei stand hinten links, wo im echten Hof auch die Halle stand. Drinnen waren keine Regale, nur der Käfig. Er stand mitten im Gelb, drei mal drei, und war zu. Hinter dem Gitter lag der Vorgang, ein grauer Kasten, so groß wie ein Schuhkarton.

An der Käfigtür hing ein Klemmbrett.

Natürlich. Die Wache musste alle drei Stunden quittieren, und wer quittiert, muss rankommen. Was im Käfig war, durfte keiner anfassen. Was außen hing, durfte jeder lesen, der bis hierher kam.

„Vier Minuten”, sagte Krey.

„Schreib”, sagte Dobs. „Sperrgut S drei eins. Eingang Mittwoch, ein Uhr vierzig. Anlieferung durch Vertragspartner null sieben.”

„Das Haus”, sagte Jeck, draußen.

„Bezeichnung: Probe, geologisch, ein Stück. Elf Komma null Kilo.” Er las weiter. „Lagerung: Nicht kühlen. Nicht wässern. Nicht unbewacht. Darunter: Prüfvermerk bei Eingang, Werkschutz, astral. Aktiv. Ortsfremd. Hält Kraft ohne Quelle.”

Draußen hörte das Kratzen von Kreys Kugelschreiber kurz auf und fing wieder an.

„Abholung Montag, sechs Uhr null null. Durch Vertragspartner null sieben. Ziel: Frachtzentrum Flughafen Düsseldorf, Zollverschluss, Ausfuhr. Abrechnung viertausend Nuyen, Pauschale.”

„Ausfuhr”, sagte Jeck. „Wohin?”

„Steht nicht da. Nur Ausfuhr.” Dobs ging mit den Augen tiefer. „Quittungen der Wache. Alle drei Stunden, immer derselbe Haken. Letzte heute, sechs Uhr. Bemerkung: keine.”

Darunter stand noch eine Zeile.

Eingelagert durch: Verbeek, J. — Kennung ruhend, Vorgang 3-0917.

Mittwoch, ein Uhr vierzig. Seit Mittwoch hatten sie ihn nicht einmal mehr waschen lassen. Er war nicht auf dem Hof gewesen. Sein Name schon.

Dobs las die Zeile zweimal. Wenn mit der Kiste etwas passierte, vor Montag sechs oder danach, dann hatte Joost sie eingelagert. Mit einer Kennung, die ruhte, und die er selbst nicht benutzen konnte.

Und alles, was Krey gerade aufschrieb, lag morgen Abend bei Brackhaus.

„Fünf Minuten”, sagte Krey. „Weiter?”

Der Kleine auf seiner Schulter hatte die Zeile auch gesehen. Er wartete.

„Weiter nichts”, sagte Dobs. „Das Brett ist zu Ende.”

Über ihm stand die Schnur. Sie lief vom Blei an seinem Ohr gerade nach oben, durch das gelbe Dach, ohne Loch, irgendwohin Richtung Essen. Sie zog nicht. Sie bewegte sich überhaupt nicht mehr, nicht einmal das kleine Zittern, das sie sonst hatte, wenn er ging. Er hatte nicht gewusst, dass eine Schnur stiller werden konnte.

„Raus”, sagte er.

„Noch nicht neun”, sagte Krey.

„Raus.”

Krey zog.


Der Speicher drehte sich nicht. Dafür lag Dobs halb neben der Matte, die linke Schulter an der Kante des Gestells, und Krey hielt ihm mit einer Hand den Kopf gerade. Der Ton war wieder leise. Die rechte Hand kam langsam zurück, kribbelnd, bis auf die drei Finger, die blieben, wo sie waren.

Jeck hatte Kreys Blatt. Er las es durch, einmal, mit dem guten Auge, und dann noch einmal.

„Nicht wässern”, sagte er. „Reinartz hat gesagt, Wasser legt sie still.”

„Dann wissen die das auch”, sagte Krey.

„Und schicken es in die Ausfuhr, bevor jemand nachfragt.” Jeck faltete das Blatt nicht. Er hielt es nur. „Ein Feld fehlt. Auf so einem Schein steht immer, wer eingelagert hat. Irgendeiner unterschreibt.”

Dobs setzte sich auf. Er sah Jeck an, dann das Blatt, auf dem in Kreys enger Schrift alles stand, was er gesagt hatte, und nichts, was er nicht gesagt hatte.

„War leer”, sagte er.

Jeck sah ihn lange an. Dann steckte er das Blatt in die Innentasche und stand auf.

Hinter Dobs’ linkem Ohr stand der Ton, genauso leise wie vorher. Ob oben einer mitgelesen hatte, konnte ihm niemand sagen.