Gruel's StorytimeA continuing story, one chapter at a time.
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Kapitel 013 — Das stille Haus

Der Ofen in der Bude rauchte wieder, und Dobs war sich sicher, dass er das aus Prinzip tat, nicht aus Not. Draußen hing der Rhein grau unter grauem Himmel. Drinnen saßen sie zu viert um den Tisch, und in der Mitte lag der Credstick, matt und klein, dort, wo jeder ihn sehen konnte.

„Er ist echt“, sagte Jeck. „Ich hab ihn über drei Ecken geprüft, die sich nicht kennen. Zertifiziert, gedeckt, zehn drauf, keine Falle im Code. Das ist das erste ehrliche Geld seit der Miete.“ Er lehnte sich zurück. „Und trotzdem gefällt es mir nicht.“

„Dir gefällt Geld immer“, sagte Kerstin.

„Mir gefällt Geld, das ich verstehe.“ Jeck drehte den Stick mit einem Finger, ohne ihn anzusehen. „Der Mann war zu warm. Ich weiß, wie das geht, ich mach das selbst. Ein Privathaus, sagt er, eine Familiensache, sagt er, und dann kennt er die Wachrunde auf die halbe Stunde und das Safe-Modell auswendig. Familien wissen nicht, wann Sécurité Rheinland um die Ecke fährt. Fixer wissen so was. Klienten, die dem Haushalt einmal nahe waren, wissen es nicht mehr auf die Minute.“

Mox hatte bis dahin nichts gesagt. Er saß leicht abgewandt, die Hände um einen Becher, den er nicht trank, und sah aus dem Stahlfenster auf den Hinterhof, wo das Lastenrad rostete. „Dann sag ab“, sagte er. Knapp, ohne Nachdruck, ein Vorschlag und keine Predigt.

„Können wir uns nicht leisten“, sagte Jeck. „Genau das ist das Problem. Der Bauch sagt Nein, das Konto sagt Ja, und der Bauch hat nicht die Miete für nächstes Jahr im Blick.“ Er ließ den Stick los. „Also. Wir sagen weder Ja noch Nein. Wir sehen erst nach.“

Kerstin nickte, einmal. Sie hatte die ganze Zeit die Arme verschränkt, und jetzt löste sie sie. „Ich geh in kein Haus, von dem ich nicht weiß, wer drin schläft“, sagte sie. „Das ist keine Moral, das ist Handwerk. Ein Wachdienst ist berechenbar. Ein Großvater mit einer Schrotflinte und einem schlechten Traum ist es nicht. Ich will wissen, wem das Haus gehört, wer nachts da ist und ob eins davon ein Kind ist, bevor ich über den Zaun steige.“ Sie sah Dobs an. „Kannst du mir das besorgen?“

Und da war es, der Teil, der ihm gehörte. Dobs merkte, wie er sich gerade hinsetzte, ohne es zu wollen. „Ein Haus in Meerbusch? Klar. Das steht in Registern, das kaufen sich die Reichen selber ein, damit die Post ankommt und der Klempner die Tür findet. Gib mir zwanzig Minuten.“

„Nimm sie dir“, sagte Jeck. „Aber ohne Krach. Wir wollen wissen, was da ist, nicht, dass da einer weiß, dass wir gefragt haben.“

Dobs setzte sich in die Ecke, in der er seine Ecke hatte — eine Matratze, eine Decke, die Datenbuchse hinter dem Ohr, der ASIST-Wandler daneben, alt und gut eingespielt. Kein Kasten auf dem Schoß, nichts, was er hätte hochfahren müssen. Er schloss die Augen, und die Bude fiel weg, der Ofengeruch, das graue Fenster, Kerstins Blick auf seinem Rücken. Dann war er drin, und drin war er zuhause.

Er hatte kurz an Gesa gedacht. Was aus der Matrix, das kein Fixer beschafft — der Gefallen lag da, anzapfbar, ein Wort über den Hafen und die Ältesten würden ziehen, woran sich sein junges Handwerk die Zähne ausbeißen könnte. Aber ein Grundbucheintrag und eine Adresse in Meerbusch waren kein Fall für Gesa. Das war Post und Klempner. Man rief die Alten nicht wegen der Post. Reife hieß auch, zu wissen, was man selbst konnte, und die Meerbuscher Register waren fett und satt und schliefen tief. Er ging ohne Widerstand hindurch.

Das Haus lag am Rand, wo Meerbusch aufhörte, sich anzustrengen, und in Felder überging. Registriert auf Adele Voskuhl, achtundsiebzig, Witwe, seit einunddreißig Jahren dieselbe Adresse. Keine Konzern-Kennung an ihrem Namen, keine Firma, kein Aufsichtsrat — eine alte Frau in einem großen Haus, so unschuldig, wie ein Eintrag nur sein konnte. Genau das, was Vogel verkauft hatte. Eine Familiensache.

Dobs blieb länger. Wenn etwas zu glatt lag, hatte er gelernt, blieb man stehen und sah es sich noch einmal an, statt erleichtert weiterzugehen.

Der Wachvertrag stand offen in den Handelsdaten von Sécurité Rheinland — solche Verträge lagen immer halb im Licht, nicht der Inhalt, aber der Umriss: Objekt, Rhythmus, letzte Änderung. Zwei Umläufe, nachts. Vor sechs Wochen hatte jemand die Zeiten verschoben. Vorher war die Runde um eins und um vier gefahren. Jetzt fuhr sie um halb eins und um halb vier. Genau die Zeiten, die Vogel ihm auf die Minute genannt hatte.

Sechs Wochen. Vogels Klient wusste nicht, was vor Jahren gegolten hatte, als er dem Haushalt nahe war. Er wusste, was seit sechs Wochen galt. Jemand fütterte ihn mit frischer Ware, und frische Ware kam nicht aus der Erinnerung.

Dobs hätte hier aufhören sollen. Er hatte, was Kerstin wollte: einen Namen, ein Alter, eine Witwe, kein Kind. Er hätte sich zurückziehen und den Rest oben am Tisch erzählen können. Aber unter der alten Frau und ihrem großen, schläfrigen Haus lag noch etwas, ein kleines, kaltes Etwas, das nicht in ein Privathaus gehörte — ein eigener Host. Klein. Niedrig. Kaum der Rede wert. Ein Haushalt dieser Größe hatte einen, für die Türen, die Heizung, die Kameras der Reichen.

Nur dass dieser hier atmete.

Dobs kannte den Unterschied. Ein leeres Zimmer und ein Zimmer, in dem jemand die Luft anhielt — von außen sahen sie gleich aus, und trotzdem verwechselte man sie nie. Seine Konstrukte waren ihm nie nur Code gewesen, sie hatten Gewicht und Laune und manchmal einen eigenen Willen, und was hier unter dem Haus der Witwe saß, hatte all das. Es war nicht tot und wartend. Es war wach. Jemand hatte es vor Kurzem angefasst, gepflegt, geschärft — die frische Naht war noch zu sehen, wenn man wusste, wo man hinsah.

Er sah hin. Nur einen Herzschlag, nur einen Blick, leichter als ein Finger auf einer Fensterscheibe.

Und das stille Haus sah zurück.

Kein Schlag, kein Alarm, kein Eis, das nach ihm griff. Etwas Schlimmeres in seiner Ruhe: eine Aufmerksamkeit, die sich langsam zu ihm herumdrehte, ohne Eile. Etwas, das viel Zeit hatte und wusste, dass es sie hatte. Es tat ihm nichts. Es merkte ihn sich.

Dobs zog sich heraus, sauber und schnell, ließ keinen Faden zurück, an dem man ziehen konnte — das wenigstens konnte er. In der Bude schlug er die Augen auf, der Ofen rauchte, Kerstin sah ihn an, und sein Puls ging zu schnell für zwanzig Minuten Post-und-Klempner.

„Die Witwe stimmt“, sagte er, und seine Stimme kam eine Spur zu hell. „Kein Kind. Nur eine alte Frau.“

„Gut“, sagte Kerstin.

„Nur.“ Dobs schluckte. „In ihrem Keller wohnt was, das keine alte Frau braucht. Und es hat gerade gemerkt, dass ich es angeschaut hab.“