Gruel's StorytimeA continuing story, one chapter at a time.
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Kapitel 017 — Was kein Fixer beschafft

Der Hafen roch nach kaltem Wasser und Diesel, so lange Dobs zurückdenken konnte. Er stellte den Roller hinter den Containern ab, wo ihn keiner sah, und ging die letzten hundert Meter zu Fuß. Er kam nicht heim. Er kam mit einer Rechnung, und das war ein Unterschied, den er im Bauch spürte.

Beim letzten Mal hatte er über Nacht bleiben dürfen, hatte nichts gewollt und nichts gebraucht, hatte einfach dazugehört. Heute steckte ein Job in seiner Tasche und ein Gefallen, den er einlösen kam. Ein Gefallen war keine Umarmung. Er war eine Zahl, die jemand für dich offengehalten hatte, abrufbar genau ein Mal.

Milla saß auf einem umgedrehten Kabelfass am Wasser und wickelte Draht auf eine Spule, ordentlich, konzentriert. Sie hatte Farbe zurück. Als sie den Kopf hob, tat sie es einen Takt später als ein anderer, aber sie sah ihn an, und dann tat sie etwas, das sie im Frühjahr noch nicht getan hatte: sie lächelte kurz.

„Du gehst zu Gesa“, sagte sie. Keine Frage.

„Sieht man das?“

„Man geht anders, wenn man was holt.“ Sie sah wieder auf den Draht. „Sie ist hinten. Schlechte Laune. Das heißt nichts. Bei ihr heißt gute Arbeit immer schlechte Laune.“

Gesa saß im hinteren Haus, das die Uferkinder „die Werkstatt“ nannten, obwohl es nur ein Raum mit zu vielen Kabeln war. Vor ihr lag zerlegte Technik, alt, sauber, jedes Teil an seinem Platz. Sie sah nicht auf, als er eintrat.

„Kind.“

„Gesa.“

„Setz dich, oder steh, aber entscheide dich.“ Sie legte einen winzigen Schraubendreher weg. „Und sag es gerade heraus. Du bist nicht zum Reden gekommen.“

Er setzte sich. Er sagte es gerade heraus. Er brauchte einen Weg, in einem wachen Host zu bleiben, ohne dass der losging — einen, der gepflegt war, frisch, der schon einmal gemerkt hatte, dass Dobs ihn ansah. Er brauchte das, was kein Fixer beschaffte. Er zog den Gefallen.

Gesa hörte zu, ohne das Gesicht zu bewegen. Als er fertig war, nickte sie einmal, so als hätte sie eine Rechnung geprüft und für richtig befunden.

„Gut“, sagte sie. „Dann ist der Gefallen jetzt weg. Du weißt das.“

„Ich weiß das.“

„Sag es trotzdem laut. Ich will nicht, dass du in einem halben Jahr wiederkommst und meinst, da wäre noch was offen.“

„Der Gefallen ist weg“, sagte Dobs. „Nach heute sind wir quitt.“

„Quitt.“ Sie schmeckte das Wort, als wäre es sauberer als die meisten. „Gut.“

Sie stand auf und kramte in einer Kiste, ohne hinzusehen. „Ein Host, den einer so pflegt, ist nicht wach für Einbrecher. Einbrecher erwartet der. Gegen die hat er Zähne. Wach ist so einer für alles, was nicht atmet wie er. Ihr Deckerkinder geht rein und macht euch klein und still und meint, das reicht. Das reicht nicht. Klein und still ist ein Loch im Rauschen, und ein gepflegter Host hört Löcher.“

„Sondern?“

„Sondern du bist kein Loch. Du bist Rauschen. Du atmest mit.“ Sie fand, was sie suchte, und legte es auf die Werkbank zwischen sie: ein Stück Code, alt, handgemacht, für Dobs’ Blick kaum größer als ein Gedanke. Er spürte sofort, dass es nicht tot war. Es hatte einen Ton, ein leises, gleichmäßiges Vor-sich-hin, und er kannte dieses Gefühl von seinen eigenen Konstrukten, die für ihn auch nie nur Programme gewesen waren, sondern etwas, das ihm zuhörte.

„Was ist das?“

„Der Klang, den ein Host macht, wenn er mit sich selbst redet. Housekeeping. Das Atmen.“ Sie tippte einmal darauf, fast zärtlich, dann zog sie die Hand zurück, als hätte sie sich bei etwas ertappt. „Ich hab das gebaut, als ich noch reinkam, ohne Blech, so wie du. Damals hab ich Stunden drin gesessen und zugehört, wie so ein Ding vor sich hin murmelt, und dann hab ich das Murmeln nachgebaut, von Hand, bis es sich echt anfühlte. Kein Fixer hat so was. Man kann es nicht kaufen. Man muss es geatmet haben.“

„Und ich soll —“

„Du nimmst es mit rein. Du legst es neben dich, und du machst dich nicht klein. Du machst dich gleich. Du atmest, was es atmet, bis der Host dich für seinen eigenen Husten hält.“ Sie sah ihn zum ersten Mal richtig an. „Das kostet was. Du musst weit auf sein dabei. Ganz auf. Kein Panzer, keine halbe Tür im Rücken, durch die du dich rausreißt, wenn es eng wird. Wer atmet, hält nicht gleichzeitig die Hand am Notausgang. Gehst du so rein und es geht doch schief, kommst du nicht schnell raus. Du kommst gar nicht schnell irgendwohin.“

Dobs sah auf den kleinen, atmenden Klang auf der Bank und dachte an drei Minuten, die er allein nicht hatte, und daran, dass er jetzt eine andere Art hatte, sie zu haben — eine, die ihn dafür ganz offen in die Wand legte. Er drehte die Rechnung im Kopf um und ließ sie stehen.

„Verstanden“, sagte er.

„Wo gehst du damit rein?“, fragte sie, während sie ihr Werkzeug wieder einsortierte.

Er hätte es für sich behalten können. Bei Gesa tat man das nicht; sie hatte gerade zwanzig Jahre Handwerk auf die Bank gelegt und eine offene Rechnung geschlossen. Er erzählte ihr das Nötige. Ein Privathaus. Eine alte Frau, allein. Ein wacher Host im Keller und eine magische Wand über demselben Zimmer, beide frisch, beide über demselben Safe. Die Namen ließ er weg.

Gesa hörte auf, ihr Werkzeug einzusortieren.

Sie sagte eine Weile nichts, und ihr Schweigen war nicht das eines Menschen, der nachdachte, sondern das eines Menschen, der etwas wiedererkannte und es nicht mochte.

„Ein Host über einem Safe, in einem Haus, in dem eine Alte allein wohnt“, sagte sie langsam. „So wach, dass er dich beim Ansehen merkt. Und eine Wand von einem Magier obendrauf, über genau dem Zimmer.“

„Ja.“

„Kind.“ Sie legte den Schraubendreher hin, diesmal endgültig. „Ich weiß nicht, was in deinem Safe liegt. Aber ich sag dir, was ich weiß. Ein Netz atmet anders, wenn etwas Lebendiges drinhängt. Ich hab das einmal aus der Nähe gesehen, hier, an dem Mädchen da draußen am Wasser. So wach hält man einen kleinen Host nicht, damit keiner an ein Schmuckkästchen kommt. So wach hält man ihn, damit etwas nicht rausatmet.“ Sie sah zur Tür, wo hinter der Wand das Wasser gegen die Kaimauer schlug. „Ich hab dir gerade beigebracht, mit einem Host zu atmen. Pass auf, dass du nicht zu spät merkst, dass da schon einer mitatmet, der da nicht sein sollte.“

Es war still in der Werkstatt. Draußen wickelte Milla ihren Draht auf, ordentlich, ein Mädchen, das man aus so einem Netz herausgeholt hatte und das jetzt Farbe zurückbekam, und Dobs dachte zum ersten Mal daran, dass in dem Meerbuscher Keller vielleicht nicht nur eine Kassette auf ihn wartete.

Er nahm den kleinen Klang von der Bank. Er lag in seiner Hand nicht wie Ware, sondern wie etwas Anvertrautes.

Danke lag ihm auf der Zunge, aber bei Gesa dankte man nicht; das hatte er beim letzten Mal gelernt. Sie dankte nicht und ließ sich nicht danken, sie führte Rechnungen, und diese hier war jetzt glatt. Sie brachte ihn zur Tür, was sie nicht musste, und im Vorbeigehen klopfte sie ihm zweimal kurz mit den Fingerknöcheln gegen den Oberarm, trocken, fast unbeteiligt, und das war bei Gesa alles, was Wärme je war.

„Du warst ein gutes Kind, um den Gefallen offenzuhalten“, sagte sie. „Jetzt ist er zu. Brauchst du das nächste Mal etwas aus der Matrix, das kein Fixer hat, dann bezahlst du dafür, wie alle.“

„Das ist in Ordnung.“

„Ich weiß, dass es in Ordnung ist. Ich sag es nur, damit du es weißt, wenn du drinstehst und offen bist und es eng wird.“ Sie hielt die Tür auf, und das graue Hafenlicht fiel herein. „Ab da hältst du dich an deinem eigenen Atem fest. An keinem von uns mehr.“