Gruel's StorytimeA continuing story, one chapter at a time.
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Kapitel 035 — Wer nichts will

Jeck ließ Kerstin ausreden, bevor er etwas sagte, weil man einem Bericht nicht ins Wort fiel, den man ernst nahm. Sie saßen in der Weckhovener Wohnung, die nach nichts roch und nichts hergab — zwei Stühle, eine Umzugskiste als Tisch, das schwache Licht einer Lampe, die Jeck von irgendwoher hatte. Mox saß in der Ecke, blass, den Mantel noch um die Schultern. Dobs hockte auf der Fensterbank, das Comm im Schoß, obwohl es nichts zu hören gab.

„Noch mal, damit ich es richtig habe“, sagte Jeck. „Das Haus ist machbar. Kameras, Graben, kein Wachmann, die Kühlung an einer Stelle kippen — alles Handwerk. Bis auf das eine Zimmer.“

„Bis auf das eine Zimmer“, sagte Kerstin.

„Und in dem Zimmer sitzt etwas, das jeden ansieht, der reingeht, und das Mox nicht wegräumen kann, ohne dafür zu bezahlen, was er nicht hat.“

Mox sagte nichts, was bei Mox eine Bestätigung war.

Jeck lehnte sich zurück und dachte nach, und was er dabei fand, gefiel ihm nicht. Er war der Mann, der die Deals heimbrachte. Er brachte Dinge in Ordnung, indem er mit dem redete, der sie in Ordnung bringen konnte; man fand immer jemanden mit einem Preis, und hatte man den Preis, hatte man den Ausgang. Das war sein ganzes Gewerbe. Und auf der anderen Seite dieses Tisches saß etwas ohne Preis, weil es nichts wollte.

„Das ist der Haken“, sagte er, mehr zu sich. „Ich kann einen Menschen umdrehen. Ich kann ihm Angst verkaufen oder Ruhe oder einen billigen Weg nach draußen. Aber ich kann nichts an einen bringen, der nichts kauft. Das Ding kauft nicht. Es passt auf. Dafür ist es gemacht, und man besticht es nicht, aufzupassen und dabei wegzusehen.“ Er rieb sich das Kinn. „Zum ersten Mal seit langem sitze ich einem gegenüber, mit dem sich nicht reden lässt.“

„Dann redest du nicht mit dem Ding“, sagte Kerstin.

„Nein.“ Er hörte den eigenen Ton umschalten — den, der kam, wenn eine Tür sich als Wand entpuppte und er anfing, die Wand abzugehen. „Dann rede ich mit dem Haus. Dobs. Du hast gesagt, die Kühlung telefoniert.“

„Stündlich.“ Dobs richtete sich auf, weil die Frage ihm gehörte. „Ein Wartungsdienst in Krefeld. Immer dieselbe Nummer, immer dieselbe Handvoll Pakete. Temperatur, Druck, läuft alles, gute Nacht. Nichts, was zuhört. Aber es plappert brav nach Hause.“

„Ein Wartungsvertrag“, sagte Jeck, und zum ersten Mal an diesem Abend lächelte er, klein, weil er wieder Boden unter den Füßen hatte. „Das ist kein Ding, das nichts will. Das ist eine Firma. Firmen wollen. Firmen haben Rechnungen und Schichtpläne und einen Mann, der den Notdienst fährt, und einen zweiten, der genervt ist, dass er ihn fährt. Mit einer Firma kann ich reden.“

Kerstin sah ihn an, unbewegt. „Die Stelle, an der die Kette versagen muss, liegt drin. In dem Zimmer. Das habe ich dir gesagt.“

„Das hast du. Und da liegst du falsch, und das ist die beste Nachricht des Abends.“ Er beugte sich über die Kiste. „Die Kälte wird nicht in dem Zimmer gemacht, Kerstin. Sie wird oben gemacht. Auf dem Dach. Du hast die Maschinen selbst gesehen — der warme Fleck über einem kalten Haus. Das Zimmer verbraucht die Kälte nur, es stellt sie nicht her. Wenn oben etwas ausfällt, wird es unten warm, überall, auch da, wo dein Wächter sitzt — und keiner von uns hat dafür eine Tür angefasst, hinter der er wartet.“

Es wurde still. Dobs verstand es als Erster, an dem kleinen Ruck, mit dem er den Kopf hob. „Ein Kühlhaus, dessen Anlage nachts aussteigt, ruft den Notdienst.“

„Und ein Notdienst schickt einen Mann durch das Vordertor“, sagte Jeck. „Erwartet, im Overall, mit einem Auftragszettel. Der geht aufs Dach und in den Maschinenraum, nicht in die Kaltkammer. Der hat dort nichts zu suchen und geht auch nicht rein.“ Er breitete die Hände aus — dieselbe Geste, die Domke am Tisch gemacht hatte. „Domke wollte ein Malheur. Eine Panne in der Kette, ärgerlich, niemandes Schuld. Eine Anlage, die einen Kompressor verliert und bis zum Morgen wieder läuft, ist genau das. Es sieht nicht nach uns aus. Es sieht nach einem schlechten Bauteil aus.“

„Und der Wächter?“, fragte Dobs, und diesmal sah er zu Mox, nicht zu Jeck.

Mox brauchte einen Moment, ehe er den Kopf hob. „Das kann ich euch sagen. Ob das, was gebunden ist, bis aufs Dach reicht oder nur in der Kälte liegt. Das kostet mich nichts — Sehen kostet mich fast nichts.“ Er hielt kurz inne. „Wenn es unten bleibt, ist das Dach kein Problem für mich. Nur ein Dach.“

„Dann fangen wir damit an“, sagte Jeck. „Du liest die Reichweite. Kerstin bringt oben eine Hand ans richtige Bauteil — dein Terrain, kein Zauber, kein offener Rücken. Dobs“ — er zeigte auf das Comm — „hört zu, wann die Ware kommt. Denn das ist der Rest der Rechnung, und der ist unangenehm.“

„Die Zeit“, sagte Kerstin.

„Die Zeit.“ Jeck nickte. „Eine Anlage, die um zwei ausfällt und um vier repariert ist, ruiniert nichts, wenn der Kühlbehälter erst um sechs kommt. Es muss warm sein, während das Ding drinliegt, sonst haben wir eine Nacht lang einen Kompressor gemordet und dem Wettbewerber am Ende nur die Stromrechnung gesenkt.“ Er sah zu Dobs. „Kannst du hören, wann sie kommt?“

Dobs dachte nach, ehrlich, ohne den Satz zu füllen. „Das Haus ruft jede Stunde dasselbe. Wenn ein Behälter reinkommt, ändert sich das. Eine Einheit mehr, die eingesteckt wird, mehr Last, ein Fühler, der vorher nicht da war. Das höre ich von außen, ohne tief zu müssen. Aber ich höre es erst, wenn er schon drin ist. Kein Vorlauf. Nur das Jetzt.“

„Ein enges Fenster also“, sagte Jeck. „Und ein zweites Problem, das ich noch nicht mag.“ Er tippte auf die Kiste. „Wenn das Haus in Krefeld anruft und Krefeld sagt, wir haben niemanden geschickt, dann ist es kein Malheur mehr. Dann ist es ein Einbruch mit einem Overall davor. Der echte Wartungsdienst muss glauben, dass er selbst draußen ist — oder er darf gar nicht ans Telefon.“

„Das kann ich drehen“, sagte Dobs, leise, aber ohne Zögern, und Jeck merkte, dass der Junge es nicht als Angebot sagte, sondern als Tatsache. „Den einen Anruf. Für ein paar Stunden.“

„Dann haben wir einen Plan, der aus lauter engen Stellen besteht“, sagte Jeck. „Und keine davon liegt in dem Zimmer.“

Er stand auf, weil das der Teil war, den er mochte, der Teil, in dem eine Wand wieder eine Tür wurde. Kerstin sah schon woandershin, rechnete das Dach durch, den Graben, den Aufstieg. Dobs murmelte etwas über eine Nummer in Krefeld. Nur Mox saß noch, blass, und sah Jeck an, als warte er auf den Rest.

Jeck ging zu ihm hin, hockte sich vor den Stuhl, damit er nicht auf ihn heruntersprach. „Du musst es nicht anfassen“, sagte er, ruhig, ohne Aufhebens. „Das ist der ganze Punkt. Keiner geht in sein Zimmer. Du gibst mir nur das eine, was du geben kannst, ohne dass es dich etwas kostet.“ Er hielt kurz inne. „Sag mir, wo die Kälte anfängt. Auf den Meter. Damit ich weiß, wo ich stehen darf und wo nicht.“

Mox sah ihn an, und in seinem Gesicht bewegte sich etwas, das keine Dankbarkeit war und dem am nächsten kam, was Mox zeigte. „Das“, sagte er, „kann ich.“