Gruel's StorytimeA continuing story, one chapter at a time.
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Kapitel 067 — Vier Wochen

Um zehn vor zwei stand Jeck am Tor und hatte seit einer Stunde nichts zu tun gehabt.

Das Blech kannte er inzwischen. Untere Ecke anheben, Schulter gegen den Flügel, Rücken durch, und dann nicht schieben, sondern gehen. Wer schob, ließ das Rohr über den Boden schleifen und zog denselben hellen Strich, den Kerstin am Sonntag zugedeckt hatte. Wer ging, hielt den Boden sauber und brauchte länger. Er hatte sich vorgenommen, die Sekunden diesmal nicht mitzuzählen, und er hielt sich daran.

Sie kamen um vier nach zwei.

Kerstin trug Mox auf dem Rücken, die Arme unter seinen Knien, den Kopf zur Seite gedreht, damit sie an ihm vorbeisehen konnte. Sie ging nicht schneller und nicht langsamer als in der Probe. Vierzig Meter hinter ihr kam die alte Frau mit der Kiste, und der Abstand wurde mit jedem Schritt größer.

Jeck hob das Tor an und lief es auf.

„Nicht zumachen“, sagte Kerstin im Vorbeigehen.

Er machte nicht zu. Er stand mit der Schulter unter dem Flügel und hielt ihn, während sie die zwanzig Meter zum Wagen ging, Mox auf die Rückbank setzte, zurückkam, der Alten die Kiste abnahm und wieder losging. Ostermann ließ die Kiste los und sonst nichts.

„Soll ich —“

„Nein.“

Für die letzten dreißig Meter brauchte sie länger als für die dreihundert davor. Am Tor blieb sie stehen, setzte sich auf den Betonfuß des Pfostens und sah geradeaus. Jeck hielt den Flügel. Nach einer Weile fing der Arm an zu zittern; er stellte den Fuß anders und hielt weiter.

„Gleich“, sagte sie.

„Lassen Sie sich Zeit.“

„Nein“, sagte sie. „Gleich.“

Es waren vier Minuten. Dann ging sie durch.

Als sie durch war, ließ er das Tor zurücklaufen, hob es an der Ecke und drückte es ins Schloss. Dann ging er in die Hocke und suchte am unteren Rand die Stelle, an der Kerstin am Sonntag Erde und Gras über den hellen Kratzer geschmiert hatte. Er nahm es mit dem Daumen weg, bis das blanke Metall wieder dalag.

Ein Kratzer an einem Tor war ein Kratzer an einem Tor. Eine Stelle, an der jemand einen Kratzer zugedeckt hatte, war etwas anderes.


Ostermann wohnte in Furth im zweiten Stock, über einer Änderungsschneiderei, die seit Jahren zu war. Jeck trug die Kiste. Sie ging die Treppe vor ihm hoch und hielt sich am Geländer nicht fest, und das war das Erste an diesem Morgen, das ihm gefiel.

Vor der Tür setzte er die Kiste ab. Sie schloss auf, schob sie mit dem Fuß über die Schwelle und ließ die Tür offen stehen, ohne ihn hereinzubitten.

„Wie hat er die Hand gehalten, als er eingestiegen ist?“

Jeck dachte nach. Er hatte hingesehen, ohne es zu wollen. Er sah immer hin.

„Flach auf dem Oberschenkel. Innenseite nach oben.“

„Nicht an sich gedrückt.“

„Nein.“

„Nicht in die Achsel geklemmt.“

„Nein.“

Sie zog den Anorak aus und hängte ihn an einen Nagel neben der Tür. „Dann sitzt es oben.“

„Er hat unten gesagt.“

„Ja“, sagte sie.

Jeck stand auf einem fremden Treppenabsatz, hatte drei Auskünfte über eine Handhaltung gegeben und damit ein Team-Mitglied verkauft. Es hatte vier Sätze gedauert, und er hatte keinen davon kommen sehen.

„Und was heißt das?“

„Wenn es nach vier Nächten immer noch obenauf wehtut, war es umsonst.“ Sie sagte es ohne Betonung. Es war kein Satz, den sie für ihn gebaut hatte.

„Ich kann bezahlen“, sagte Jeck. „Material, Nächte, was Sie wollen. Wir kriegen die Fläche noch mal auf.“

„Ich hab nichts, was Sie kaufen können.“

Sie nahm den Deckel von der Kiste und stellte die zwei leeren Gläser neben die Tür, eins neben das andere, den Boden nach oben.

„Es war zwischendrin unten“, sagte sie. „Montag und Dienstag. Das hat er mir gesagt, und da hat er nicht gelogen.“

„Und das heißt?“

„Dass der Boden ihn nimmt.“

„Und warum ist es wieder hochgekommen?“

„Weiß ich nicht.“

„Raten Sie.“

„Nein.“

Er ließ es stehen. Es gab nichts, wogegen man drücken konnte, weil nichts verkauft werden sollte.

„In vier Wochen sehen Sie nach der Hand“, sagte sie. „Freitags bin ich auf dem Markt.“

„Ich?“

„Sie. Ihn frag ich nicht mehr.“

„Und wenn wir bis dahin noch mal vier Nächte auftreiben?“

„Haben Sie nicht.“ Die Tür ging zu.


In Weckhoven brannte in der Küche Licht, obwohl niemand zu Hause sein sollte. Der Junge hatte gewartet und war dabei eingeschlafen, das Gesicht auf dem Unterarm.

Kerstin stieg aus und sah in den Wagen zurück, auf Mox und dann auf Jeck.

„Ich fahr ihn weiter“, sagte Jeck.

„Wohin?“

„Grevenbroich.“

Sie fragte nicht, wozu einer mitfahren sollte, der auf keinem Hof gebraucht wurde, machte die Tür zu und ging rein.


Der Firmenwagen stand um fünf vor acht mit offener Fahrertür an einem Feldweg bei Wevelinghoven. Dreihundert Meter weiter, unten am Erftufer, stand Wilms hinter dem Stativ und redete mit zwei Leuten gleichzeitig, von denen nur einer da war.

Jeck legte den Schlüssel in die Ablage unter dem Armaturenbrett und war schon halb zurück am eigenen Wagen, als der Junge über den Acker angelaufen kam, das Klemmbrett vor der Brust.

„Herr Kessels! Rückgabe acht Uhr, ne?“

„Liegt drin.“

„Ich trag das ein.“

„Musst du nicht.“

„Doch.“ Bastian schrieb schon. Dann sah er hoch. „Ich brauch noch die Adresse. Fürs Betriebsbüro, wegen der Kopie. Nievenheim hab ich, aber welche Straße?“

Jeck kannte sie. Sie hatte auf der Auftragsmappe gestanden. Er sagte sie auf, langsam genug zum Mitschreiben, und damit ging die Kopie nicht mehr vielleicht, sondern sicher an eine Firma, in deren Betriebsbüro es keinen Kessels gab.

„Kessels!“ Wilms hatte den Kopf über den Sucher gehoben. „Kaffee steht im Wagen! Und sag deinem Chef, die zwei Zentimeter hat er jetzt schriftlich, achtzehn Komma vier!“

„Sag ich ihm.“

„Ich bin hier bis elf! Oder halb zwölf!“

Jeck hob die Hand und fuhr.


Auf der Landstraße zurück nach Neuss lag der Nebel über den Rübenfeldern und ging bis an die Fahrbahn heran. Mox saß vorn, seit Weckhoven, und hatte in vierzig Minuten drei Wörter gesagt.

„Wo sitzt es?“, fragte Jeck.

Eine Weile kam nichts.

„Oben.“

„Seit wann?“

„Seit zwanzig vor zwei. Mittwochnacht.“

Jeck machte ihm keinen Vorwurf daraus. Er hatte am Dienstag danebengestanden, während ein Einundzwanzigjähriger seinen geborgten Namen in ein Protokoll schrieb, und den einen Satz nicht gesagt, der das verhindert hätte — aus genau demselben Grund.

„Sie hat es gewusst, bevor ich an ihrer Tür stand“, sagte er. „Sie hat mich nach einer Handhaltung gefragt, und dann wusste sie es. Nicht über dich. Über mich.“

„Was hat sie gefragt?“

„Wie du die Hand hältst.“

Mox drehte den Kopf zum Seitenfenster. Der Verband war seit Sonntag nicht kleiner geworden.

„In vier Wochen fahre ich nach Furth“, sagte Jeck. „Freitags steht sie auf dem Markt. Sie sieht sich die Hand an, und reden tu ich.“

„Das ist meine Hand.“

„Ja. Und die Frage danach hat sie mir gestellt und nicht dir, und das war ihre Entscheidung, nicht meine.“ Er nahm den Fuß vom Gas, weil aus dem Nebel ein Trecker kam. „Du hast eine Woche flach auf dem Rücken gelegen und dich von einer Siebzigjährigen und einer Frau mit Sporen tragen lassen und hast dabei genau eine Sache selbst gemacht. Und die war gelogen.“

Dann sagte er: „Sie hat nach fünf Stunden Arbeit gefragt und war siebzig, und ich hätte sagen müssen, dass sie umsonst da gesessen hat.“

„Ja.“

„Ich weiß.“

Der Trecker war vorbei. Vor ihnen kam der Kirchturm von Grimlinghausen aus dem Nebel, und dahinter fing die Stadt an, die seit Dienstagnacht wieder eine gewöhnliche Stadt war.

„Vier Wochen“, sagte Mox. „Und du redest.“

„Und ich rede.“

„Dann nimm was mit. Sie nimmt nichts geschenkt, aber sie nimmt was mit, das sie brauchen kann.“

Jeck lachte, und einen Atemzug später lachte Mox auch, kurz und trocken und mit zusammengezogenen Schultern. Es war das Erste in dieser Woche, wofür keiner von ihnen etwas bezahlt hatte.