Gruel's StorytimeA continuing story, one chapter at a time.
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Kapitel 069 — Zu hoch

Montags roch die Schleuse nach Putzmittel, weil Brandt sonntags wischen ließ. Darunter roch sie nach allem anderen.

Kerstin setzte sich mit dem Rücken zur Wand und ließ Jeck reden. Das war die Arbeitsteilung, und sie war gut.

„Der Abend“, sagte Jeck. „Die Übergabe. Der Kunde mit zu viel Geld.“

„Weg.“ Brandt zog ein Glas durch die Bürste und stellte es zum Abtropfen. „Donnerstag.“

„An wen?“

„An zwei, die Donnerstag hier saßen.“

„Wir waren im Feld.“

„Ihr wart nicht hier.“ Brandt nahm das nächste Glas. „Ist dasselbe Ergebnis.“

Jeck machte keine Miene, aber Kerstin sah, dass er kurz nachrechnete, was der Abend gebracht hätte, und dann damit aufhörte, weil es nichts brachte.

„Samstag ist was anderes reingekommen“, sagte Brandt. „Eine Nacht Arbeit, Wasser dabei. Zahlt ordentlich.“ Er sah dabei nicht Jeck an, sondern an ihm vorbei. „Der will die sehen, die reingeht. Vorher redet der nicht.“

„Das ist unüblich.“

„Ist nicht mein Geschäft, was üblich ist.“

„Wir könnten es umdrehen“, sagte Jeck. „Ich rede, sie steht daneben. So machen wir das immer.“

„Dann redet er nicht.“ Brandt stellte das Glas weg. „Halb elf, Becken zwei, wo die Straße aufhört. Er steht da bis elf.“

„Wie heißt er?“

„Weiler heißt er heute.“ Brandt griff nach dem nächsten Glas. „Mehr will ich nicht wissen.“


Das Becken lag still. Kein Kran ging um die Zeit, kein Schubverband kam herein, und die Kaikante lief gerade in den Dunst, bis die Lampen aufhörten. Wo die Straße aufhörte, stand ein Mann.

Die Jacke war für den Ort zu neu und die Schuhe waren es auch. Er hielt nichts in der Hand, keine Mappe, kein Comm, und er stand da, ohne sich anzulehnen.

„Sie kommen zu zweit“, sagte er. „Das ist in Ordnung. Zu dritt wäre es nicht in Ordnung gewesen.“

Hinter ihm lag der Leichter. Achtundsiebzig Meter Stahl, an zwei Pollern festgemacht, das Vorschiff tief, das Heck hoch, die Lukendeckel abgeräumt und irgendwo verkauft. Ein Kasten ohne Namen. Auf dem Bug stand eine Nummer, und über der Nummer stand nichts mehr.

„Er liegt seit April“, sagte Weiler. „Der Eigner ist seit Mai insolvent. Am Donnerstag um sieben setzt ein Schwimmkran an und hebt ihn raus, danach wird er zerlegt. Bis Donnerstag um sieben ist der Kasten meine Sache. Ab sieben ist er die Sache von neun Leuten mit Brennschneidern.“

„Was für ein Kasten?“ fragte Kerstin.

„Ein geschweißter. Im Doppelboden, vorn, backbord, das dritte Mannloch von vorn. Achtunddreißig Kilo. Finden Sie da unten etwas Schwereres, ist es nicht meins, und dann lassen Sie es liegen.“

„Was ist drin?“

„Meine Obliegenheit.“

Jeck lächelte. „Schönes Wort.“

„Ein genaues Wort. Was drin liegt, geht auf meine Rechnung, wenn es der Falsche sieht. Was Sie tun, geht auf Ihre. Deshalb rede ich mit Ihnen und nicht mit der Bergungsfirma.“ Weiler drehte den Kopf ein Stück in Richtung Wasser, ohne den Leichter wirklich anzusehen. „Zehn. Fünf, wenn Sie heute zusagen. Fünf am Donnerstag um acht — nicht dafür, dass ich den Kasten habe, sondern dafür, dass mich bis dahin keiner gefragt hat, wer nachts auf dem Deck war.“

„Wie tief steht er?“ fragte Kerstin.

„Vorschiff voll. Doppelboden auch. Sie kommen nicht trocken rein.“

„Zeitfenster“, sagte Jeck.

Weiler wurde schneller. Bei ihm hieß das nicht lauter, es hieß, dass die Uhrzeiten dichter kamen.

„Dienstag zweiundzwanzig Uhr. Der Wachdienst fährt seine Runde um zweiundzwanzig und um zwei, das ist die Hafen-Ordnung und nicht mein Verdienst. Mittwoch wird es um fünf hell, um sechs steigt der Taucher der Bergung und setzt die Anschlagpunkte. Sie haben eine Nacht. Die von morgen.“

„Sie sagten Donnerstag.“

„Ich sagte, am Donnerstag um sieben muss ein Zustand vorliegen. Der Taucher steigt am Mittwoch. Sieht der unten Ihre Arbeit, ist der Zustand nicht mehr herstellbar, und dann brauchen wir über Donnerstag nicht mehr zu reden.“

„Wer hat den Kasten da reingeschweißt?“

„Jemand, der seine Fristen eingehalten hat.“

Kerstin sah ihn an. Er wich nicht aus und er kam auch nicht näher. In den vergangenen Monaten hatte sie eine Reihe von Leuten getroffen, die keinen Namen hergaben; dieser hier gab stattdessen Termine her, und er gab sie freiwillig.

„Ich sage heute nichts zu“, sagte sie. „Ich sehe mir das vorher an.“

Zum ersten Mal sah Weiler nicht Jeck an, sondern sie.

„Dann sehen Sie es sich heute an. Morgen um diese Zeit ist die Sache in Arbeit, oder sie ist nicht mehr meine.“

Er ging die Straße hinauf, dahin, wo sie wieder anfing. Ein Wagen sprang nicht an. Es war ihm offenbar egal, dass sie ihm nachsahen.


„Zehn für eine Nacht“, sagte Jeck. „Und keiner will, dass jemand jemanden anfasst.“

„Und keiner, der hinsieht.“

„Und keiner, der hinsieht.“ Er sagte es, ohne sich dabei zu bemühen, es nach Zufall klingen zu lassen. „Deshalb hab ich mir das angehört.“

Kerstin ging zwei Schritte an die Kante und blieb stehen. Sie kannte die Rechnung, die dahinterlag, und sie mochte sie nicht. Es ging jetzt eine Weile so, dass die Aufträge um einen Mann herum ausgesucht wurden, der davon nichts wusste.

Es gab noch eine Rechnung. Für die Runde um zwei brauchten sie das Hafennetz, und für das Hafennetz brauchten sie Dobs, und dann saß der Junge eine Nacht lang keine dreihundert Meter von dem Zaun entfernt, an dem vor ein paar Wochen zweimal jemand nach ihm gefragt und dafür bezahlt hatte. Sie sagte nichts davon. Es war Montag, und der Job war noch nicht angenommen.

„Fahr schon mal vor“, sagte sie.

Jeck ging zum Wagen. Kerstin ging den Kai entlang, an der Kante, bis der Leichter neben ihr lag statt vor ihr.

Sie schaltete das Restlicht auf. Der Dunst wurde körnig und hell, die Wasseroberfläche wurde eine Fläche ohne Tiefe, und der Rumpf darüber war eine Wand.

Auf der Wand lief ein Streifen. Muschelbewuchs, Schlick, das ganze Jahr Hafenwasser, das sich an einem Stahl absetzt, der stillliegt: eine breite dunkle Bahn, die anzeigte, wo das Wasser stand, wenn es lange genug stand.

Der Streifen war trocken.

Er stand über der Wasserlinie, eine Hand breit, auf der ganzen Länge nach vorn, bis der Rumpf im Dunst aufhörte. Kein Wind, keine Welle, kein Schiff, das Wasser im Becken stand. Der Leichter lag höher, als er den ganzen Sommer über gelegen hatte, und das ging nur auf eine Art.

Am vorderen Poller lag eine Schlaufe Tau, die dort nicht hingehörte. Sie sah sie sich an, ohne sie anzufassen. Oben war sie grau und staubig.

Unten war sie nass.

Sie ging zurück zum Wagen, machte die Tür auf und sagte es, bevor sie sich setzte.