Gruel's StorytimeA continuing story, one chapter at a time.
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Kapitel 070 — Wasserhaltung

Um acht saß er da, und um zehn hatte er aufgehört, sich zu bewegen.

Der Fischkasten stand an der Stirnseite von Becken zwei, zwischen einem Palettenstapel und der Rückwand des Trafohäuschens. Von dort lag der Leichter quer im Blick, achtundsiebzig Meter Stahl an zwei Pollern. Zwischen Mox’ Knien eine Tüte mit zwei Brötchen und einer Flasche. Wer zu ihm hersah, sah einen Mann, der auf eine Schicht wartete, und hörte im selben Moment wieder auf hinzusehen.

Nach vier Stunden tat das Sitzen weh. Kein Schmerz mit Namen, nur das, was von vier Kilo Untergewicht übrig bleibt, wenn zwischen Knochen und Kunststoffkante nichts mehr liegt. Er blieb sitzen.

Die andere Art zu sehen kostete nichts und war hier trotzdem nicht zu haben. Tageslicht, offenes Becken, eine Aura, die seit Wochen offenstand — er ließ die Augen, wo sie waren. Schlange hatte damit noch nie ein Problem gehabt.

Auf dem Vorschiff lief ein Aggregat. Es lief seit acht, und es war das Lauteste am ganzen Becken, lauter als die Kräne drüben bei eins. Aus einem der Mannlöcher im vorderen Drittel ging eine Kette nach unten und ein Schlauch nach oben, über das Süll, quer übers Deck, außenbords. Auf die Entfernung war nicht zu sagen, welches. Aus dem Schlauchende fiel ein flacher brauner Strang zurück ins Becken und verlief sich dort zu nichts.

Zwei Männer. Der Junge trug, tankte nach und hatte Kopfhörer auf. Der Ältere stand am Schlauch und sah zu, wie das Wasser rausging. Keiner der beiden sah den Kai an. Leute, die jemanden suchen, sehen den Kai an.

Um kurz vor eins ging der Junge zum Transporter und setzte sich mit einer Tüte auf die Ladekante. Mox stand auf. Es ging in drei Bewegungen, und er nahm sich die drei.

Bruns Wasserhaltung, Dormagen stand auf der Seitentür, darunter eine Nummer mit Vorwahl. Hinter der Scheibe lag ein Stundenzettel in einer Klarsichthülle, oben rechts ein Name in Druckbuchstaben: WIRTZ.

„Läuft die seit heute Morgen?“

Der Ältere sah nicht hoch. „Seit Freitag.“

„Lange für ein Loch.“

„Vier Räume.“ Er zog den Schlauch ein Stück nach, damit er nicht am Süll scheuerte. „Drei sind leer. Das dritte von vorn, Backbord, machen wir heute.“

„Und die drei laufen nicht wieder voll?“

„Nachlaufen tut da nichts. Sonst könnten wir das gleich lassen.“

„Und dann?“

„Dann ist er leer, und dann hebt der Kran am Donnerstag.“ Er sagte es ohne jede Betonung. „Die sagen, nass wiegt der zu viel. Ich hab den Kran nicht bestellt.“

Mox sah auf das Wasser, das aus dem Schlauch kam. Es war seit dem Morgen weniger geworden, nicht viel, aber gleichmäßig.

„Was liegt da unten drin?“

„Wasser lag drin.“ Der Ältere sah zum ersten Mal her, kurz und ohne Interesse. „Jetzt nicht mehr. Da geht der Schlauch rein. Ich guck da nicht rein.“

„Sind Sie morgen auch hier?“

„Morgen früh um sieben, Zeug holen. Steht so auf dem Zettel.“ Er wischte sich die Hand an der Hose ab. „Der Taucher steigt um sechs. Der hat seinen eigenen Zettel.“

„Und heute Abend?“

„Heute Abend kommt einer und fragt, wie weit runter.“ Er sagte es als Vorgang, ohne Ärger und ohne Neugier. „Zwischen sieben und acht. Der bleibt im Wagen und macht das Fenster runter.“

„Von der Bergung?“

„Der von Meuser war Freitag da und hat unterschrieben. Der hier ist ein anderer.“ Er nahm den Schlauch wieder auf. „Steht nicht auf meinem Zettel, wer der ist.“


Jeck kam um zwanzig nach drei zu Fuß von der Schütte herunter und blieb vier Minuten. Er hatte einen Kaffeebecher dabei, den er nicht trank, und stellte sich so, dass der Palettenstapel zwischen ihm und dem Schiff war.

Mox gab es flach weiter, in der Reihenfolge, in der er es hatte.

Jeck hörte bis zum Ende zu. Dann rechnete er laut.

„Also lenzt ihn keiner heimlich. Er wird gelenzt, seit Freitag, von einer Firma mit Nummer auf der Tür.“

„Ja.“

„Und Weiler weiß es nicht, sonst hätte er es gesagt. Er hat uns eine nasse Nacht verkauft.“

„Er hat uns einen Zustand verkauft.“

Jeck nickte langsam. Genau da lag es. Nass war ihre Arbeit unsichtbar gewesen — ein Taucher, der außen die Anschlagpunkte setzt, sieht nichts, weil außen nichts zu sehen ist, und im Doppelboden steht Wasser, das alles gleich macht. Trocken sah es jeder, der mit einer Lampe ins Mannloch leuchtete. Schlick am Boden mit Fußspuren darin. Eine Schweißnaht, die heller war als der Stahl daneben. Ein Deckel, den jemand aufgemacht und zugemacht hatte.

„Das Wasser war die Deckung“, sagte Jeck. „Und die schütten sie uns heute Nachmittag weg.“

„Dann braucht die Spur einen, dem sie gehört.“

Jeck brauchte zwei Sekunden. Dann sah er zum Schiff und rechnete weiter.

„Die Wasserhaltung.“

„Die sind seit Freitag da, morgen früh um sieben wieder, und sie haben den Deckel selbst abgenommen. Wenn das Loch offen bleibt und der Schlauch drinliegt, hat jede Spur da unten einen Absender, und der heißt Bruns.“

„Und wenn er alles wegräumt?“

„Dann räumt er es weg.“ Mox sah zum Schiff. „Und dann ist es eine geschlossene Luke, an der jemand war. Ich frag ihn nicht jetzt.“

„Sondern?“

„Wenn er müde ist und der Junge das Kabel schon aufgerollt hat.“

Jeck stellte den Becher auf den Palettenstapel. „Ich sag heute Abend zu. Zehn für eine Nacht, und keiner fasst jemanden an.“

„Und der Junge?“

„Kerstin hat heute Morgen zweimal gefragt, wo er sitzt. Nicht ob.“ Jeck sagte es ohne Gewicht. „Er sitzt in der Halle bei Gesa, nicht am Zaun. Sie fährt ihn selbst hin und selbst zurück.“

Damit war die zweite Rechnung bezahlt, ohne dass jemand sie ausgesprochen hatte.


Um zwanzig vor sechs änderte die Pumpe den Ton.

Sie hatte den ganzen Tag gebrummt, tief und gleich. Jetzt schluckte sie, unregelmäßig, mit kurzen Aussetzern dazwischen, und das braune Wasser am Schlauchende kam in Stößen und wurde dünner. Der Ältere ging zwei Schritte an das Mannloch und hörte hin. Dann drehte er das Aggregat ab.

Ohne das Aggregat war das Becken erstaunlich still. Ein Schubverband ging weiter draußen vorbei, die Wellen kamen eine Minute später und schlugen an die Kaimauer, und der Leichter zog leicht an seinen Leinen.

Der Junge rollte das Kabel auf. Es dauerte, weil er es ordentlich machte.

Mox ging hinüber, als er damit fertig war.

Der Ältere hatte die Kette schon halb hochgeholt und stand nun daneben, die Hände an der Hüfte, und rechnete offensichtlich zusammen, was jetzt noch alles in den Transporter musste.

„Wenn Sie den Schlauch heute rausholen“, sagte Mox, „tragen Sie ihn morgen früh wieder rein.“

Der Ältere sah den Schlauch an.

„Der wiegt nass achtzig Kilo.“

„Eben.“

Er stand einen Moment und tat nichts weiter, als das zu bedenken. Kein Misstrauen darin, keine Frage nach einem Grund. Es war ein Posten, der sich gegen einen anderen Posten rechnete, und beide standen nicht auf seinem Zettel.

„Rausholen steht nicht drauf“, sagte er dann. „Reinlegen auch nicht.“

Er ging zum Transporter und schob die Kette in die Ladefläche. Der Junge hob das Aggregat an einem Griff hoch, kam damit nicht weit und setzte es wieder ab.

Am Mannloch blieb ein Schlauch liegen, der nach unten in einen dunklen Raum ging, und daneben, auf dem Deck, ein runder Stahldeckel mit sechzehn Schrauben, von denen keine steckte.

Der Ältere zog die Hecktür zu.

„Der Deckel liegt daneben“, sagte er. „Wenn den einer draufmacht, dann nicht ich.“