▌ Gruel's StorytimeA continuing story, one chapter at a time.
← All chapters

Kapitel 098 — Verwahrung

Kurz nach neun ging Dobs hinein, und der Weg dorthin war kürzer als der zum Hafen.

Die Verwertungsseite des Verwalterbüros war ein Flur mit vierzig Türen, und hinter jeder lag derselbe Raum: ein Tisch, ein Fenster ohne Aussicht, ein Aktenzeichen über dem Rahmen. Wer hier arbeitete, kam wegen der Akte und nicht wegen des Zimmers.

Über der siebzehnten Tür stand Formenbau Lenzen GmbH.

Auf dem Tisch lagen die Lose als Gegenstände, jedes eine Handbreit groß und aus der Nähe unscharf: zwei Drehbänke, ein Gabelstapler, drei Regalreihen, ein Posten Rohmaterial in Stangen. Hinten, zu einem Block zusammengeschoben, Los 41. Vierzehn graue Klötze in zwei Reihen.

Dobs legte die Hand darauf, und das Los ging auf.

Los 41 — 14 Spritzgussformen, 700 bis 900 kg. Ausrufpreis 26.000 EC. Besichtigung Freitag, 9 bis 12 Uhr, nach Anmeldung. Gebotsende am 18., 18 Uhr. Übergabe ab dem 19., 7 Uhr.

Darunter standen die Nummern. Vierzehn Stück, zweiundsechzig, Bindestrich, vier Stellen, fortlaufend von eins bis vierzehn. Und eine Zeile Herkunft, in kleinerer Schrift: Nummern nach Anlagenverzeichnis der Sicherungsnehmerin, Stand 12. August.

Er las sie zweimal, dann rechnete er zurück. Neun standen im Stahl. Fünf standen nur hier. Der Katalog war eine Woche älter als die Arbeit, die ihn wahr machen sollte — auf einem Blatt, das eine Kanzlei herausgegeben hatte.

Wer das Los eingeliefert hatte, stand in einer Zeile weiter unten, und die Zeile war zugedeckt. Sie ging nicht auf; sie wollte eine Bieternummer und eine Sicherheitsleistung von fünftausend EC.

Oben in der Ecke des Raums stand, wie viele gerade darin waren. Beobachter: 3. Während er noch vor dem geschlossenen Feld stand, wurde die Drei eine Vier, und zwei Zeilen weiter oben rückte der Termin: aus Freitag, 9 bis 12 Uhr wurde heute, 16 Uhr, und aus dem Gebotsende am Achtzehnten wurde Freitag, 12 Uhr. Darunter schrieb sich, klein und ordentlich, geändert 09:14.

Es war 09:14.

Das Feld fragte ein zweites Mal nach der Bieternummer, und diesmal stand die Frage neben ihm.

Dobs ging hinaus.


Um halb elf hatte Jeck das Telefon am Ohr und meldete zwei Personen zur Besichtigung an. Metallhandel Küppers, Ankauf, Betriebsleiter und ein Mitarbeiter. Es dauerte vier Minuten, und die Stimme, die dabei herauskam, war weiter Rost.

„Der Name trägt”, sagte er hinterher. „Küppers kauft so was wirklich, und keiner ruft dort an, um zu fragen, wer heute fährt.”

„Und ich?”

„Du stehst auf einem Blatt bei einem Verwalter. Da hängt kein Gerät am Tor, da hängt ein Klemmbrett.” Jeck rieb sich das rote Auge und ließ es dann. „Sie ziehen das Ganze vor, weil Donnerstagmorgen jemand auf ihrem Hof gemessen hat. Sie verkaufen vor dem Wochenende und lassen die fünf, wie sie sind. Auf einer Besichtigung liest keiner Nummern. Da wird Gewicht angesehen und Guss und ob der Rahmen gerissen ist.”

„Und wenn doch einer liest?”

„Dann ist er der Eigentümer oder ein Idiot”, sagte Jeck. „Wir sind heute beides.”

Mox stand am Fenster und sah auf die Straße. Er war seit Dienstag wieder auf den Beinen, und die zwei Tage hatten ihn vier Kilo gekostet, die er nicht hatte.

„Wenn ihr über den Hof geht und nichts passiert”, sagte er, „dann hängt das Ding da draußen nicht am Siegel. Dann hängt es an dem, der den Boden hat, und der lässt den Verwalter durch, weil er ihn braucht.”

„Und wenn doch was passiert?”

„Dann seid ihr die Einzigen, die hinten herumgehen, und das sieht man.” Mox drehte sich um. „Bleib hinter dem Verwalter. Zwei Schritte, nicht mehr.”

Kerstin lag seit Mittag hinter dem Graben und hatte bis dahin nichts zu melden gehabt.


Um vier standen sie zu siebt an der Einfahrt: Ohligs, eine Assistentin mit Klemmbrett, zwei Händler aus Krefeld, ein Mann, der gar nichts trug, dazu Jeck und Dobs. Zanders kam vom Transporter herüber, den Schlüssel in der Hand.

Sie gingen quer über den Hof. Von der Nacht stand auf der grünen Seite noch Wasser in den Fugen. Zwei Schritte weiter waren die Steine trocken und hatten einen weißen Rand, und die Pfütze davor hörte an einer geraden Linie auf. Die Assistentin sagte die Uhrzeit an, sonst redete keiner. Sechzig Meter, zwei Minuten, und niemandem passierte etwas.

An der Manntür las Ohligs den Streifen ab, bevor er ihn aufschnitt.

„Versiegelt am neunten August”, sagte er. Dann hielt er das Papier schräg gegen das Licht und steckte es in eine Klarsichthülle, statt es wegzuwerfen.

Drinnen brannten vorn die Strahler, und dahinter hörte die Halle einfach auf. Die vierzehn standen in ihren beiden Reihen auf dem Holz, grau und stumpf. Es roch nach kaltem Öl.

„Der Verwalter hat am Neunten versiegelt”, sagte Ohligs zu den Händlern. „Zum Eigentum äußert sich die Masse nicht. Es schreiben zwei Parteien.”

Die Krefelder gingen die vordere Reihe ab und sahen sich die Trennebenen an. Jeck blieb bei Ohligs stehen.

„Eine Frage zum Katalog”, sagte er. „Sind die Nummern von Ihnen aufgenommen oder übernommen?”

„Übernommen. Anlagenverzeichnis der Sicherungsnehmerin.”

„Dann lesen wir sie einmal mit.”

Dobs hatte sie noch im Kopf und fing vorn an. Die Assistentin ging mit und hielt das Klemmbrett schräg. Zweiundsechzig, Bindestrich, eins. Passte. Zwei, drei, vier — passte. Die neun gingen durch, alle scharf im Grund und alle ein wenig verwackelt.

Bei der zehnten hörte er auf zu lesen.

Das Feld saß tiefer als die anderen, seine Ränder waren rundgelaufen, und die Nummer darin begann nicht mit zweiundsechzig. Sie begann mit einem Zeichen, das keine Ziffer war, und lief in einer anderen Ordnung weiter. Geschlagen hatte sie jemand in den Stahl, als der noch neu war.

„Die letzten fünf stehen nicht in Ihrem Katalog”, sagte Dobs. „Die tragen eine fremde.”

Am Bock der vordersten Form lag zusammengekehrt, was am Morgen niemand mehr weggebracht hatte: eine flache Sichel blauer Späne. Die Assistentin sah darauf, dann auf ihre Uhr, dann schrieb sie.

Ohligs ging die hintere Reihe selbst ab, alle fünf, und kam langsamer zurück, als er hingegangen war.

„Wer arbeitet hier nachts?”

„Das Feld an der Vordersten ist zwei Zehntel zu flach”, sagte Zanders. „Das muss noch mal auf den Tisch. Das taugt nichts.”

„Wer hat das angeordnet?”

„Darüber rede ich nicht.”

Der Mann, der nichts trug, war inzwischen in der hinteren Reihe. Er fragte Dobs, welcher Küppers das sei, der Kaufmännische oder der aus dem Lager, und als Jeck vier Meter weiter antwortete, hörte er gar nicht hin. Er legte die Hand flach auf den Rahmen hinter Dobs und ließ sie liegen, und der Gang zwischen den beiden Reihen war eine Schulterbreite. Achthundert Kilo auf zwei Kanthölzern rechts, achthundert Kilo links, und vorn stand er.

„Nicht anlehnen”, sagte Zanders von der anderen Seite. „Die stehen auf Holz.”

Der Mann nahm die Hand weg und ging hinaus, ohne sich die Formen weiter anzusehen.

Ohligs ließ die Halle um Viertel vor fünf räumen. Er nahm Los 41 aus der Verwertung, ordnete die Verwahrung an, legte selbst einen frischen Streifen über den Falz und schrieb das Datum mit der Hand darauf. Die Assistentin notierte die Uhrzeit.

Dann hielt er die Klarsichthülle noch einmal hoch und sah den alten Streifen an.

„Ich habe am Neunten hier gestanden und selbst geschrieben”, sagte er. „Das ist nicht meine Fünf.”

Draußen war das Licht schon flach. Jeck ging neben Dobs her und sprach leiser als nötig.

„Die Kanzlei hat die Herausgabe bis Montag, die schreibt sich jetzt von allein. Am Neunzehnten um acht stehen sie an Tor vier, und die vierzigtausend ¥ am Tag hören auf zu laufen. Domke zahlt die zehn Riesen EC, wenn sie stehen, und die Auslagen gegen Belege.”

Zanders legte den Hallenschlüssel auf das Klemmbrett der Assistentin und ging zu seinem Transporter. Die übermalte Schrift auf der Seitentür stand in der flachen Sonne und war von der Einfahrt aus zu lesen.

Dobs sah ihm nach, bis er an der Einfahrt war.

„Vierzehn Stück Stahl”, sagte er. „Und die haben jetzt einen Anwalt.”